Janet Grau: “Mattering No. 1” (Grafit, Tusche) 2020

“The Mattering Instinct” heißt die Lecture-Performance, die auf der spannenden „mattering theory“ der US-amerikanischen Philosophin Rebecca Newberger Goldstein basiert.

Zum Konzept:

Im englischen Wort „mattering“ sind verschiedene Aspekte gebündelt, für die das Deutsche keinen prägnanten Ausdruck hat: der Aspekt der Erfahrung von Selbstwirksamkeit mit jenem der Anerkennung durch andere, sowie die Sinnzuschreibung an das eigene Handeln. Die Theorie knüpft an aktuelle Diskurse an, etwa über die Volkskrankheit Depression, über Identitätspolitik (Black Lives Matter), sogar über Genmanipulation. Auch die Frage nach dem Wert des Individuums in der Gesellschaft gewinnt in der Corona-Krise besondere Relevanz.

Die Performance erläutert, kommentiert & vermittelt Goldsteins philosophische Argumente, konfrontiert aber die philosophischen Ideen mit der Eigengesetzlichkeit künstlerisch performativer & medialer Semantik. Somit werden neue Fragen von Bedeutsamkeit, von „mattering“ (etwa von Körper, Kunst, Kultur, Gemeinschaft) aufgeworfen.

Die Konzept- & Performancekünstlerin Janet Grau entwickelt auf der Grundlage von Newberger Goldsteins Vorträgen & Interviews eine ästhetische Auseinandersetzung mit dem Thema, die auch körperlich assoziative, emotionale & spielerische Momente integriert. Die Thesen werden sprachlich & tänzerisch in einer Mischung aus Ernsthaftigkeit & spielerischer Leichtigkeit entfaltet.

“Ist ‚Bedeutsamkeit‘ etwas, was wir verwirklichen müssen und wenn ja, wie tun wir das? Und: wenn wir diese ‚Bedeutsamkeit‘ erreichen müssen, heißt das etwa, dass manche von uns mehr ‚Bedeutsamkeit‘ erreicht haben als andere? Oder wurden wir alle in die ‚Bedeutsamkeit‘ quasi hineingeboren, so dass sie gleichermaßen gerecht unter uns verteilt ist? … Sobald wir entdecken, dass wir ‚Bedeutsamkeit‘ besitzen—dass wir sind—dann wollen wir, dass das, was wir sind, etwas bedeutet, dass wir von Bedeutung sind. Es ist einfach menschlich.“

Auszug aus Vortrag, “The Mattering Map”, 2016; Übersetzung J. Grau

Zum Format und Ort:

Erprobt wird das Präsentationsformat Installation statt Bühnenstück für eine Lecture-Performance (mit Janet Grau, Cecilia Ponteprimo und Lorenzo Ponteprimo) unter den Bedingungen der Corona-Krise.

Die Foto-/Videoaufnahmen und Präsentation erfolgen in der Heiliggeistkirche in Heidelberg. Die Installation ist flexibel & kann am Veranstaltungsort länger stehen, wie auch später woanders ausgestellt werden.

Die denkmalgeschützte Kirche bietet ideale Voraussetzungen, um auch in Pandemie-Zeiten ein interessiertes Publikum zu erreichen. Die Nähe zur Universität & zum Kunstverein, die bereits bestehende Verbindung zur Tanzszene & die Tatsache, dass die Gemeinde viele junge Mitglieder hat sichern der Präsentation ein breites Publikum, das durch Touristen ergänzt wird.


“The Mattering Instinct” wird gefördert im Impulsprogramm „Kunst trotz Abstand“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg